Link: Stevan Paul in São Paulo

Stevan Paul ist Kochbuchautor mit Blog. Ich lese ihn furchtbar gerne. Gerne, weil ich gutes Essen und Trinken liebe, obwohl ich mir für so einen schlimmenschlimmen Klischeesatz mindestens eine Hand abhacken möchte. Furchtbar, weil ich wie so viele Menschen, die gutes Essen und Trinken lieben, meistens keine Zeit, kein Geld und keinen Elan habe, richtig gutes Essen zu kaufen und herzustellen. Wenn man aber schon einmal 15 Minuten angestanden hat, um für knapp 10 Euro ein „Menü“ bei einer der großen Burger-Ketten zu kaufen, weiß man, dass Mangel an Zeit und Geld nur doofe Ausreden sind.

Stevan Paul hat vor kurzem eine kleine Serie über São Paulo veröffentlicht. Mit sehr schönen Bildern und Schilderungen von unbekannten Gerichten. Unbekannt für diejenigen, die mit Brasilien nur Caipirinha und Rodizio verbinden. Also auch für mich.

Ich persönlich finde Caipirinha völlig banal. Im besten Fall, denn mein sonst vollverzinkter Pferdemagen kann alles. Bis auf Limetten, die nicht bester Qualität sind. Dann gibt es Magenschmerzen vom feinsten. Also habe ich gelernt, Caipirinha zu meiden, was mir nicht sonderlich schwerfiel; misstraue ich doch diesem Getränk allein, weil jede Audrey und jeder Justin auf jedem kleinen Volksfest Caipirinha trinkt. Caipirinha ist sozusagen das Standardgetränk des deutschen Trägers von karierten Kurzarmhemden geworden. Der Longdrink, der wie kein anderer Socken in Sandalen verkörpert. Das Arschgeweih in der Hand. Alkoholhaltiger Nightwish-Heckscheibenaufkleber.

Wenn etwas, ein Produkt oder ein Gericht, in Deutschland vollkommen banalisiert und profanisiert wird, fährt man erstaunlicherweise immer sehr gut damit, bei der Herstellung oder Zubereitung genau das Gegenteil zu machen, was da gefordert wird. So auch bei Caipirinha: „Da muss, MUSS, crushed ice rin, nachdemde ville braunem Zucka und ne Limette (Du immer mit deinem Bio.)  zerquetscht hast. Und dann Katschacka druf. Billiger tuts auch. Zur Not nimmste Wodka.“

Insofern verwundert es mich nicht, wenn Stevan Paul schreibt:

Statt grobem, braunem Zucker wird feinster, weißer Zucker verwendet, und auch nicht so viel! Es gibt Eiswürfel ins Glas und kein Crushed Eis und so ist das ein erfrischen-belebender Longdrink von erstaunlicher Komplexität und ziemlich gutem, öhm „Trinkfluss“!

Und nun den Rest lesen. Den ersten Teil gibt es hier.

PS: Ich mag Gin and Tonic. Aber momentan wird da ein Geschisse um Monkey 47 (MUSSMUSSMUSS! Mit Tanqueray und Bombay Saphire kann man wohl nur Farbpinsel reinigen, wie man mir sagte) und Thomas Henry Tonic Water gemacht, dass mir das bald wohl auch keinen Spaß mehr machen wird.

PSS: Gerade erst gesehen. Einen kleinen Abriss aus der Geschichte „Deutschland und seine Cocktails“findet man auch bei Stevan Paul. Und zwar hier.