Zwei Höllenhunde für die Demokratie

Wie können wir ein Debakel der Demokratie, wie es die Wahl Donald Trumps nun einmal ist, in Zukunft vermeiden?

Die Frage geht an die Politik und die Medien. Jedenfalls wurden diese sehr schnell als Hauptverantwortliche, wenn nicht -schuldige erkannt.

Man ist sich relativ einig, dass die Beantwortung dieser Frage sehr schwer ist und eine Lösung des Problems in weiter Ferne scheint.

Heute stieß ich auf folgende Ansätze:

Lösung 1: Medien

Als Vertreter der Medien schlug ein Gastkommentator in der FAZ vor, dass Menschen nicht mehr wählen dürften, wenn sie nicht über eine gewisse intellektuelle Grundaustattung verfügten.

Message: „Ihr, die ihr euch abgehängt fühlt, wir nehmen euch nicht nur nicht ernst, wir entziehen euch einfach das Wahlrecht.“

 

Lösung 2: Politik

In ihrem Bestreben Politik als nicht so abgehoben, menschenfern und intrasparent begreiflich zu machen, prescht Hannelore Kraft vor:

Message: „Geht euch doch nichts an, Untertanen!“

Es ist wirklich schwer in diesen Tagen. Keiner weiß, was richtig und was falsch ist. Aber wenn sich Lösung 1 durchsetzen sollte, würden Sandro Gaycken, Hannelore Kraft und alle, die ihnen nicht geraten haben, noch einmal nachzudenken, ihr Wahlrecht verlieren.

 

UPDATE

PS: Es müsste Gnoseokratie heißen, du Dummschwätzer. γνῶσις, γνώσεως f. Fremdwörter werden aus dem GenitivStamm, der meist aus dem Genitiv oder dem Aoriststamm gebildet wird (und es gibt bestimmt noch einige Ausnahmen, aber darum geht es doch gar nicht Mensch). Wenn Klugscheißen, dann richtig.

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9.11.

Kurze Version:

Ich habe Angst. Echte Angst. Angst um mein Leben und vor allem Angst um meinen dreijährigen Sohn.

Längere Version:

Mein Großvater kommt aus Thüringen und ist im Jahr 1928 geboren worden. Er erzählt wie alle Großeltern ungern vom Krieg. Eine Geschichte jedoch bekommen wir häufiger zu hören: Im Jahr 1945 sitzt er als sehr junger Mensch an der Flak und schießt einen englischen Kampfjäger ab. Der Pilot überlebt und wird gefangen genommen. Am nächsten Tag kommt die SS, um ihn abzuholen und die komplette Einheit meines Opas stellt sich vor den englischen Piloten, um ihm das Leben zu retten. Die SS-Leute wollen am nächsten Tag wiederkommen und das regeln. Die SS kommt weder am nächsten noch am übernächsten Tag, aber drei Tage nach dem Vorfall hört mein Großvater Panzer und bekommt es nun doch mit der Angst zu tun. Aber es ist nicht die SS, es sind amerikanische Panzer. In der Darstellung meines Großvaters folgt nun die Schilderung, wie wir sie schon oft gehört, gelesen und in Filmen gelesen haben: der gute Amerikaner, der Kaugummis verteilt und dem Schrecken ein Ende bereitet.

Doch in Thüringen werden die Amerikaner bald von dem Russen abgelöst. Den Russen schildert mein Opa zwar nicht durchgängig negativ („Arme Schweine eigentlich, sogar deren Autos waren alte amerikanische Kübelwagen.“), aber die Doktrin des katholisch aufgewachsenen jungen Mannes, der fünf Jahre alt war, als Hitler an die Macht kam, ist stärker: „Der Bolschewismus ist unser Untergang.“ Nach fast 10 Jahren flieht er mit seiner Familie ins Rheinland. Und lässt bis heute (naja, mal fragen, zumindest bis gestern) keinen Anti-Amerikanismus in seiner Gegenwart zu.

Ich bin der Enkel meines Großvaters, wurde katholisch erzogen und nachdem meine Eltern Anfang der 80er nach Berlin gezogen waren, war es mein Alltag, dass die Amerikaner uns vor den Russen (immerhin Plural!) beschützten. Für mich waren die Amerikaner immer die Guten. Kurz vor meiner Pubertät war ich von den USA besessen. „Ach wäre ich doch Amerikaner“, seufzte ich so manches Mal, wenn ich die Twin Towers auf Bildern oder im Film sah. Dann könnte ich durch New York laufen, auf der Golden Gate Bridge stehen und so coole Autos wie Sonny Crockett fahren. Das hat sich verwachsen und kam am 11.9. kurz als Echo zurück, als wir alle US-Bürger waren.

Heute bin ich sehr froh, kein Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika zu sein, obwohl wir gerade heute sagen müssten:

„Heute sind wir alle Amerikaner!“

Schon allein, weil dieser Irre uns mit den Codes für das Nuklear-Arsenal in der Hand hat.

Ich wünsche ihm und vor allem uns allen Berater, die ihm jeden Tag sagen: „Wenn Sie das tun, Mr. President, werden Sie den Rest ihres Lebens in einem Bunker statt in einem luxuriösen Appartement leben.“