#LoveIsLove

Am Sonntag ist mal wieder etwas passiert. Ein US-Amerikaner beruft sich auf IS und die Waffengesetzgebung und tötet fast 50 Menschen in einem Club, in dem hauptsächlich LGBTI-Personen verkehren.

Seitdem ist viel Unfug gesagt und geschrieben worden, aber auch viel Kluges. Besonders bemerkenswert fand ich aber die Tatsache, dass in manchen der Öffentlichkeit Orlando überhaupt nicht stattfand. Warum? 50 Tote mit einem Täter, der sich auf eine gefürchtete, aber gut vermarktete Terrorganisation beruft, müssten doch alle Ausschlachter der Welt auf den Plan rufen. Eines meiner Beispiele dafür zeigt auch gleich einen Grund:

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Screenshot via Blendle. So sah es in den Zeitungsautomaten in Köln aus. Ich wollte es noch fotografieren, aber nachmittags waren alle Automaten in meiner Umgebung leer. Ausverkauft.

Es ist EM. Deutschland ist schwarzrotgeil und bekommt wieder nichts mit.

Das ist natürlich pauschalisiert und gemein. Denn sehr viele haben sich darüber aufgeregt, dass die UEFA Fernsehbilder hat, wie unser Bundestrainer das Amt beschädigt sein Geläut feinjustiert. In der Öffentlichkeit scheinen Jogis Eier wichtiger als das Leben von jungen Menschen, die dafür sterben mussten, weil sie lesbisch oder schwul sind.

Ist das so? Der von mir hoch geschätzte, im echten Leben zu selten getroffene Lukas Heinser stellte auf Facebook die Frage, die mich zum Nachdenken brachte: Warum nämlich seine Facebook-Freunde, die im bei den Anschlägen in Paris ihr Profilbild geändert, das nun nicht getan hätten. Ob fehlende Identifikation dahinter stünde. Auch in meinem Facebook-Freundeskreis bin ich fast der Einzige, der sein Profilbild geändert hat. Ich habe das relativ intuitiv gemacht, weil es mir eben wichtig war. Nach den Anschlägen von Paris habe ich mich gegen die Trikolore oder den Eiffelturm entschieden, sondern Fotos verwendet, die ich selbst in Paris geschossen habe. Weil ich Paris für ein ganz tolle Stadt halte, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Weil die Anschlagsorte sehr nah der Wohnung, in der wir gewohnt haben, lagen. Ich habe Probleme mit den Profilbildänderung, weil ich schnell gesehen habe, dass zum Beispiel das „Je suis Charlie“ nicht nur genutzt wurde, um Verbundenheit mit den Opfern auszudrücken, sondern auch von Leute verwendet wurde, die damit ausgrenzen wollten. Je suis Charlie war schnell zum Statement gegen den Islam generell geworden.

Wenn ich nun Lemmy oder David Bowie im Profilbild habe, bin im schlimmsten Fall ein Aufschneider, der dazugehören will (Ich liebe die Musik von Motörhead seit 1990, finde Lemmy aber nicht so weise, wie alle, die höchstens einmal „Ace of Base Spades gehört haben. Und das mit dem Gesichtsausdruck eines Kindes, das zum ersten Mal einen schwarzen Kaffee trinkt.). Lemmy im Profilbild grenzt höchstens Revolverheld aus.

Die Regenbogenfahne grenzt niemanden aus. Im Gegenteil: Sie soll auf die Ausgrenzung vieler Menschen aufmerksam machen. Und deshalb habe ich mich dafür entschieden. Natürlich kann man das Slacktivism nennen: „Höh, jetzt machen das wieder alle.“ – „Davon wird es auch nicht besser.“ Ich halte das für falsch. Wenn es wirklich alle machen würde, gäbe es keine Ausgrenzung mehr. Vielleicht ist es nicht viel, aber es ist immerhin etwas.

Seien wir ehrlich. Die Heterosexuellen – und auch wenn das Denken in „Wir“ und „Die“ immer schuld ist: – Wir Heterosexuellen haben die Pflicht etwas zu tun. Wenn Minderheiten von Mehrheiten verfolgt werden, können nur die Mehrheiten diese Verfolgungen beenden. Die Minderheiten können höchstens auf die Missstände hinweisen. Wir haben aber die Pflicht, auf die Minderheiten zu hören und ihre Demonstrationen nicht als schrill und aufdringlich abzutun. Ins Stammbuch schreibt uns das sehr eindringlich Johannes Kram. Der seinen Aufruf an uns mit den Worten einleitet:

Es trifft (erst Recht, wenn Ihr Leser dieses Blogs seid) wahrscheinlich zum Großteil die Falschen, und dann tut mir das leid (und wenn das so ist, dann schickt den Link doch einfach an jemanden, der ihn gebrauchen kann)

Nein. Es trifft nicht die Falschen. Es ist genau richtig, dass auch den Allies immer wieder wieder vor Augen gehalten wird: Nur weil es hier besser ist als vor 20 Jahren war, heißt es nicht, dass es gut ist. Wir haben immer noch eine Kanzlerin mit Bauchschmerzen. Die nicht ausspricht, gegen welche Minderheit dieser Anschlag gerichtet war. Eine Kanzlerin, die vielen in diesem Land noch zu weltoffen ist. Und so lange ist hier nichts gut.

Wenn der Mensch eines von einem Gott oder der Evolution geschenkt bekommen hat, dann die Fähigkeit über sich zu reflektieren. Und das über das Niveau „Wenn ich meinen Finger in diese Felsspalte stecke, bekomme ich sie vermutlich nicht unversehrt wieder.“ hinaus. Und man könnte jetzt etwas Salbungsvolles sagen wie: „Wenn etwas an so schlimmen Vorfällen positiv ist, dann dass wir angefangen haben nachzudenken.“ Aber das wäre falsch. Es gibt nichts Positives am Tod so vieler Menschen. Wir haben lange genug nachgedacht. Zumindest hatten wir lange genug Zeit nachzudenken. Denn Denken allein reicht nicht (und das sei denen gesagt, die meinen, Bildung wäre alles.)! Denken allein hat uns nicht vor Krieg, The Boss Hoss und Audis auf der Autobahn bewahrt.


Diesen Text habe ich gestern, am 15. Juni 2016, geschrieben und war kreuzunglücklich damit. Er war zwar irgendwie rund, aber 800 Wörter rundzulutschen, halte ich für keine große Leistung. Er war mir viel zu pathetisch und an der Oberfläche. Und das ist er meines Erachtens immer noch.

Aber nachdem ich jetzt einmal darüber geschlafen habe, kann ich doch damit leben. Denn es ist mein Beitrag zu dem Thema. Ich möchte allen Lesben, Schwulen, Transgender-Menschen, vor allem denen in meinem Freundeskreis damit sagen: Es geht mich etwas an, wie ihr behandelt werdet. Ich möchte nicht, dass eure Belange als Selbstverständlichkeiten abgehandelt unter den Tisch fallen. Ich muss, Gott sei Dank/hoffentlich, euer Leben nicht mit meinem verteidigen.  Aber ich werde alles tun, um euch zu unterstützen. Und wenn es nur das Verfassen eines dürftigen, pathetischen Blogartikels ist. Meine Bitte wäre: Erinnert uns, erinnert mich an dieses Versprechen. Seid laut, seid schrill, seid, was ihr sein wollt. Keep on dancing.

 

Domburg, NL

Die Familie war mit mir in „Holland“. Meine Frau hatte einen günstigen Nach-Abi-Stundenplan, das Kind musste einmal nicht in den Kindergarten und ich, der arbeitssuchende Taugenichts, hatte die Erlaubnis von der Arbeitsagentur, von Freitag bis Montag wegzufahren.

Ich hatte meine Jacke vergessen, was nicht so schlimm war. Endlich konnte ich mir eine neue Wind-Regen-irgendwas-mit-einer-Tatze-drauf-Jacke kaufen. Das tat ich in Antwerpen, das für den Kölner auf dem Weg liegt. Eine sehr schöne Stadt, obwohl die Deutschen dort zweimal schlimm hausten. Wahrscheinlich tun sie das immer noch. Aber ich glaube, es ist nicht ganz so schlimm, drei Liter „Leffe blond“ in einen der zahlreichen McDonald’s zu kotzen.

Am Strand von Domburg angekommen, stellte sich der Jackenkauf als nötig heraus. Ein Steife Brise wehte da. Als Bewohner der Kölner Bucht, in der es auch im Winter stickig-schwül ist, kennt man das im Juni ja nicht so.

Wie es aber das Schicksal so wollte, verschwand der eigentlich sehr gemütliche Nebel recht schnell und es fühlte sich alles gleich wie Sommerurlaub an, während die Heimat absoff.

 

Ehrlich. Zuhause angekommen, waren wir froh, dass unser Keller trocken und unsere Stirn  nur leicht gerötet war.

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Wieder da. #latergram

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Middelburg war auch sehr schön, aber am Montagmorgen etwas sehr ruhig. Was aber sehr wohl tat, denn das Kind hatte drei Tage zuvor mit der Leselampe über seinem Sitz gespielt. Seine Eltern hatten das aber erst gemerkt, als sie den Wagen nicht mehr aufschließen konnte. Nach einer Panikattacke und einem Besuch in der Werkstatt neben an, die sofort half, konnte wir dann weiter.

Apropos Freundlichkeit. Es beschämt mich jedes Mal zutiefst, wenn ich bedenke, wie gut die „Holländer“ deutsch können. Und wir? Wir sind bestenfalls zutiefst beschämt, schlechtestenfalls grölen wir irgendwas von „Ohne Holland…“ Die Touristen in Domburg waren irgendetwas dazwischen. Zu fein zum Grölen, aber auch zu egoistisch, um ein einziges Mal „Dank u wel“ zu sagen. Hauptsache, das Kind kleckert nicht mit der Cocktailsauce vom Krabbenbrötchen auf die wattierte Schnöseljacke. Oder auf die neue Wind-Regen-irgendwas-mit-einer-Tatze-drauf-Jacke.

(Dieser Post entstammt der von Maximilian Buddenbohm geklauten Idee, den Instagram-Bildern etwas mehr Kontext zu geben. Und so habe ich mich an meinen Schreibttisch gesetzt, an dem es wegen dicker, alter Mauern viel zu kalt ist, und diesen Artikel geschrieben. Von Herrn Buddenbohm habe ich auch die Gewohnheit, die gerade gelesenen Bücher, zu fotografieren geklaut.)

 

War was?

Dieses Wochenende war das Wetter furchtbar schlecht. Jedenfalls sagte mir mein Handy, dass es in Köln furchtbar schlecht werden würde. Irgendwann wurde dann aber das schlechte Wetter abgesagt, so dass meine schlechte Laune ganz umsonst war.

Am Ende war es ein schönes Wochenende. Ich war auf der Deepesjasser Kirmes. Das dreijährige Kind hat dabei seine Liebe zum Kölsch-Rock entdeckt („Der rote Mann hat geschreit“). Dann habe ich ein Plissee bei meiner Mutter angebracht und sämtliche sogenannten Politikmeldungen ignoriert.

Jetzt ist Montag und das Wetter ist furchtbar schlecht.

An der Ampel lernen

Wenn man als Fußgänger in Köln an einer roten Ampel stehen bleibt, hat man sehr viel Zeit, bis es wieder grün wird. Als Vater eines Dreijährigen bleibe ich nicht nur wirklich stehen und gehe erst bei grün sondern fange als ungeduldiger Mensch und Besitzer eines Smartphones auch oft an zu lesen.

Heute las ich an der Ampel die „Kolumne für Irrelevanz“ von Felix Schwenzel. (Ich halte den Titel für eine entsetzlichen Koketterie, aber da ist meine Meinung auch völlig irrelevant.) Es ging um Bildung. Einen mir wichtigen Gedanken fand ich im dritten Absatz formuliert:

Das Problem mit Bildung ist gar nicht mal so sehr die Bildung an sich, sondern überhaupt Interesse an ihr zu entwickeln. Was mir half Bildungshunger zu entwickeln, waren Vorbilder, Menschen die mir zeigten, was man mit Bildung anfangen konnte.

In meiner Zeit an der Uni bin ich sehr  oft daran verzweifelt, wenn Bildung wie ein Ware eingefordert wurde, aber kein wirkliches Interesse an ihr bestand. Es gab zum Teil überhaupt keine Bereitschaft für die eigene Bildung etwas zu tun. Wenn man etwas nicht konnte, waren die Dozenten schuld, der Lektürekanon zu schwer und überhaupt nicht relevant. Das Problem in der Bildung ist tatsächlich, dass man sie für jeden fordern kann und muss, dass aber bei weitem nicht jeder Interesse an Bildung hat.

Tatsächlich ist die Lehrperson sehr wichtig. Das Vorbild. Ich habe viele Vorbilder gehabt, die alle eins gemeinsam hatten: Sie waren begeistert von jeweiligen Sache und konnten mich begeistern. Ok. Man kann mich schnell begeistern. Ich bin mir sicher, dass ein Züchter von Pfeilgiftfröschen mich für die Pfeilgiftfroschzucht begeistern könnte. Das ist die Grundvoraussetzung. Du kannst die besten didaktischen Mitteln einsetzen, Medieneinsatz vom Feinsten, Internetseite, Pi, Pa und Po, aber wenn du selbst keine Lust hast, kannst du niemals Lust erzeugen.

Und dann gibt es noch die Nicht-Interessierbaren. Ich bin der festen Überzeugung, dass es sie gibt. Es liegt nicht immer am Scheitern der Person, die den Input liefert. Es gibt immer ein Grüppchen, dass nur versorgt werden will. Wenn überhaupt. „Ich habe keine Literatur gefunden“ – „Ist das für die Prüfung wichtig?“ – „In den letzten beiden Sitzung kann ich nicht kommen, ich habe ja noch nicht gefehlt.“ – „Mir hat keiner gesagt, dass…“ Und so weiter und so fort.

Wichtig ist: Seid begeistert und begeisternd. Wenn ihr es nicht seid, fragt euch, warum. Und zieht die Konsequenzen.

Wenn ihr kein Interesse an Bildung habt, macht bitte denen Platz, die welches haben. Und seid dann auch so ehrlich und gebt zu, dass ihr keinen Bock hattet, und schiebt es nicht auf die Umstände.

Ich widerrufe,

was ich letztens noch meinte. Denn mittlerweile ist mir klar, dass der Böhmermann, auch wenn ich seine Sendungen und das ganze Weiterverwertungstrara um ihn nicht ertrage, bewusst übertrieben hat. Er wusste vielleicht nicht, wie hoch die Wellen schlagen, aber er hat aufgezeigt, dass die EU, die Regierung Merkel möglicherweise erpressbar geworden ist. Beziehungsweise:

Er hat bewirkt, dass die Regierung es selbst zeigen muss. Toll. Solidarität!

 

PS: Wie sehr ich den klugen, zuhörenden, leisen Serdar Somuncu verehre. Ganz im Gegensatz zu dem rumbrüllenden, dickhodigen Kabarettisten Serdar Somuncu.

 

Babymetal

Ich mag „The Late Show“ dafür, dass sie gerne mal Kostüm-Metal präsentiert.

Das Phänomen Babymetal lässt mich etwas ratlos zurück: Einerseits ist das ein sehr lustiges Projekt, andererseits Minderjährige in kurzen Röcken. Über eine dieser heißt in der englischen Wikipedia: „Mizuno’s favourite artists include Ariana Grande and Cannibal Corpse. Her favorite food is tomatoes, which she prefers to eat raw.“ Ratlos.

Gehört nicht zum Thema, ist trotzdem schön:

Satire-Burnout

Die Satiresendung extra3 des NDR hat ein Liedchen mit bekannter Melodie auf den türkischen Staatspräsidenten mit neuem Text veröffentlicht und alle fanden es total toll. Nur der türkische Staatspräsident nicht. Den Rest der Geschichte kennt jeder. Es wurde viel gekeift, es wurde viel Blödsinn geschrieben, es wurde diskutiert, was Satire darf. Kurz, ein ganz normaler Werktag im Medienzirkus.

In der Bild am Sonntag meldete sich nun EU-Parlamentspräsident Signore Martin Schulz zu Wort und geißelte (ja, geißelte) die Reaktion Erdogans mit den Worten:

„Es ist nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes verlangt, dass wir in Deutschland demokratische Rechte einschränken, weil er sich karikiert fühlt. Wo kommen wir denn da hin? Das ist absolut unhaltbar, ein starkes Stück! Wir müssen Erdogan klarmachen: In unserem Land gibt es Demokratie. Ende.“

Was für ein entsetzlicher Satz. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der politischer Diskurs gerne mit „im übrigen verbete man sich die Einmischung in innere Angelegenheiten“ zu beenden versucht wurde. Martin Schulz geißelt nicht die Bombardierung von Städten, er geißelt nicht die Inhaftierung von Journalisten, er geißelt nicht die unklare Rolle der Türkei im Kampf gegen den IS.

Er geißelt die Einmischung in innere Angelegenheiten der Bundesrepublik. Nein. Halt. Er geißelt die Einmischung in eine Satiresendung. Ich kenne Martin Schulz als durchaus scharfzüngigen, sich selbst als das Herz auf dem rechten Flecken tragenden Kumpeltyp stilisierenden Kumpeltyp. Ich habe noch nichts von ihm zur Politik Erdogans gehört, jedenfalls nicht in dieser Schärfe. Vielleicht will er sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Türkei mischen.

Anderes Thema: Die geneigte Leserin, der geneigte Leser von Lokalzeitungen im Internet kennt das: Schlimme Autounfälle von Jugendlichen auf der Landstraße und Jan Böhmermann. Ständig Jan Böhmermann.

Jan Böhmermann hat auch was über Erdogan gemacht. Beziehungsweise über sich. (Der Link kostet was, lohnt sich. Ach, kostet doch nichts, höre ich gerade.) Jan Böhmermann hat auch etwas über Deutschland gemacht, was meine Timeline hochgejubelt hat, dann aber, nachdem Sascha Lobo etwas darüber geschrieben hatte, auch wieder herunterjubelte.

Ich habe keine Lust mehr auf Jan Böhmermann. Ja, er ist lustig. Ja, er ist das Tollste, was deutsches Fernsehen zu bieten hat. Aber er ermüdet mich. Natürlich will er die ganzen Missstände auf der Welt, in diesem Land, in unseren Medien vorführen. Aber diese Omnipräsenz nervt mich. Ich weiß, dass das furchtbar subjektiv ist. Aber seien wird doch ehrlich: Er ist gescheitert. Jeder Depp wie ich teilt Jan-Böhmermann-Videos, aber außer von Deppen wie mir geteilt zu werden, hat er sehr wenig erreicht.

Außer Aufmerksamkeit.

Wenn ihm die reicht, ist er doch nur ein Fernsehclown unter vielen. Mich langweilen Fernsehclowns. Mich langweilen Satiresendungen. Satiresendungen sind der VW, der Dackel, der Vorgarten, die Nationalmannschaft, das Handtuch auf Mallorca des deutschen intellektuellen Mittelstands. Ich möchte, dass der intellektuelle Mittelstand nicht mehr auf Leute wie Jan Böhmermann hört und einfach nur geil findet.

Blendet den ganzen Satirequatsch doch einmal für eine Woche aus und nehmt euch die Zeit, euch in die #panamapapers einzulesen. Lest Zeitung.

Und ihr, Satiriker Deutschlands, macht mal kurz Pause. Wenn ich schon total ermüdet von Euch bin, müsst ihr doch kurz vor dem Burnout stehen. Macht Urlaub. Kommt zur Ruhe und lasst den Leuten, uns, auch ein wenig Luft. Ignoriert Erika Steinbach.

 

 

PS: Ich bin mir der Ironie bewusst, mich in epischer Breite zu einem Thema auszulassen, vor dem ich verschont werden möchte.

PPS: Ich weiß, dass der Gedanke, dass Satire oder Kunst immer etwas bewirken müssen, nicht nur angreifbar ist.

PPPS: Wer entscheidet eigentlich, was lustig oder relevant ist? Ich, Darling. Ich. Das ist arrogant, ich weiß. Auch das mit dem intellektuellen Mittelstand.

PPPPS: Ich weiß gar nicht, wie ich die geneigte Leserin, den geneigten Leser ansprechen soll.